Chronik 2000-2014

Dieser Artikel ist noch in Arbeit. An dieser Stelle finden Sie demnächst die Chronik von 2000 bis heute.

Chronik

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Kurzübersicht

Aus der Erkenntnis heraus, dass für das kirchliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben der Gemeinde im musikalischen Bereich noch etwas fehlte, entstand die Musikvereinigung Neckarhausen.
Gründer Heinrich Betzwieser 1923

Gründer Heinrich Betzwieser 1923


1923 / 1924 Das Gründungsensemble

Die Gründungsjahre

1923 ist das Gründungsjahr der Musikvereinigung

Heinrich Betzwieser war Organist in der katholischen Kirche, war Dirigent des Kirchenchors und vom Gesangverein Germania. Von Beruf war er Eisenbahner.

Heinrich Betzwieser war auch zuständig für die Organisation des Fronleichnam-Umzuges mit seinem Kirchenchor. Eines der wichtigsten Ereignisse zu dieser Zeit nicht nur in Neckarhausen.

Sowohl Heinrich Betzwieser, als auch Pfarrer Otto Honickel, hörten von den Eisenbahnerkollegen oder den Amtskollegen, in Hockenheim, Plankstadt oder Schwetzingen, was in diesen Gemeinden ablief. Wie herrlich es doch klang, wenn Trompeten und Posaunen das Wort Gottes durch die Straßen ihrer Gemeinde trugen.

1923 dürften sich Pfarrer Honickel und Betzwieser sicher mehrere Male getroffen haben. Das wollen wir in Neckarhausen auch haben! Einige Männer für die Musik zu begeistern war in dem bäuerlich geprägten 2.300 Seelendorf Neckarhausen das kleinere Problem, viel schwieriger war die Beschaffung von Instrumenten und von Noten. Mit viel Mut und noch mehr Gottvertrauen entschieden sich Heinrich Betzwieser und Pfarrer Honickel eine Blaskapelle zu gründen. Ab August begannen die Proben in der Wohnung des Dirigenten (Heute ist darin die Schlossapotheke)

Die 12 Gründer waren:

  • Heinrich Betzwieser 1877-1925 war 45 Jahre alt - Dirigent und Trompeter
  • Sohn Ludwig Betzwieser 1906-1989 war 16 Jahre alt, er spielte Posaune und Klavier, später auch Klarinette
  • der Freund Eduard Stahl um 1884-1952 war ca. 39 und Militärmusiker in Karlsruhe
  • Sohn Georg Stahl 1909-2006 war 14, er spielte Trommel und später Tenorhorn
  • der Schwager Joseph Fleck um 1875-1938 war 48, er spielte Tuba und war Interimsvorsitzender
  • Karl Kreter um 1901-1970 von Ladenburg war 22 und spielte Tenorhorn, er war nach dem Krieg der Gründer vom Posaunenchor in Ladenburg
  • Karl Krauß um 1901-1970 war 22 er spielte Tenorhorn, über Sohn Willi und Urenkelin Helen durchgehend im Verein aktiv
  • Valentin Siebig 1904-1977 war 19, er spielte Tenorhorn
  • Johann Siebig um 1900, er spielte Tenorhorn
  • Franz Schreckenberger, er spielte Trompete
  • Karl Hauck 1907-1965 war 16, er spielte Posaune
  • Jakob Schlegel, um 1890 er spielte Tenorhorn

Die regelmäßigen Proben begannen im August 1923. Durch eifriges Üben war es möglich, sich bereits am „Weißen Sonntag“ 1924 der Öffentlichkeit vorzustellen.


Die Kapelle 1926

1923 - das Jahr der galoppierenden Inflation

Die Beschaffung von Instrumenten und Noten ab Mitte 1923

Mitte September 1923 kostete ein Brief 100 Mark, am 11. November 1923 bereits 5 Milliarden.
Mitte September 1923 kostete ein Brot 1,5 Millionen, am 11. November 1923 bereits 200 Milliarden.

Wegen der galoppierenden Hyperinflation wurde die Überfahrt mit der Fähre nach Ladenburg an das jeweilige Briefporto gekoppelt. Ab 1. Dezember 1923 kosteten ein Brief und die Fährüberfahrt nur noch 5 Rentenpfennige.

Mit der alten Papiermark konnten demnach keine Instrumente beschafft werden. Wie kam man dann zu Instrumenten? Auf dem Gründerbild vom September 1926 waren es bereit 16 Musiker, alle mit Instrumenten. Wie es wirklich gelaufen ist, wusste der damals 14-jährige Gründer Georg Stahl 70 Jahre später nicht mehr. Sein Vater Eduart brachte von Karlsruhe zumindest die erste Trommel mit. Ob er zu weiteren Instrumenten verhalf? Sind etwa bereits fertige Musiker mit Instrumenten dazu gestoßen, wie etwa Karl Kreter und später sein Bruder Heinrich aus Ladenburg? 1925 und 1926 wurden laut Kassenbuch mit einem Vereinszuschuss folgende Instrumente gekauft: das Tenorhorn von Karl Krauß, die Posaune für Ludwig Betzwieser, eine Feldmann Tuba für Fritz Fleck sowie eine Trompete. Genaueres lässt sich heute leider nicht mehr in Erfahrung bringen.


Grabstein von Heinrich Betzwieser

1923 - 1925

Die ersten Auftritt noch mit dem Gründer

  • 16.04.1924: Weißer Sonntag, es war der erste öffentliche Auftritt der Kapelle
  • 06.06.1924: Fronleichnam, Heinrich Betzwieser konnte nur noch mitlaufen
  • 30.01.1925: Abendmusik, das erste Konzert im Saal des jahrelangen Probelokals
  • 22.03.1925: Sommertagszug in Neckarhausen (Bericht in der Ladenburger Zeitung)
  • 1925 folgten noch weitere 12 Auftritte bei anderen Vereinen in Neckarhausen und in Ladenburg

Am 17. Juni 1925 verstarb unerwartet der Gründer und Dirigent Heinrich Betzwieser im Alter von nur 47 Jahren. Sein 18-jähriger Sohn Ludwig Betzwieser übernahm das Dirigentenamt und führte die Aufgabe im Sinne seines Vaters fort.

Der Fronleichnamumzug wurde am 4. August 1925 nachgeholt. Da seine Frau Anna geb. Fleck ihn um Jahrzehnte überlebte stand der Grabstein bis 1999 auf dem Friedhof. Interessant ist noch: Im Kassenbuch stehen von April bis Juni 1926 drei Raten für den Grabstein von 557 Reichsmark. Für ein Ruhebett 70 Mark sowie die Gebühren für den Krankenwagen. Alle Kosten übernahm die noch junge Musikvereinigung.

Bereits im September 1925 gab es ein Großereignis in Neckarhausen. Die Freiwillige Feuerwehr feierte 3 Tage lang ihr 25-jähriges Jubiläum, bei dem die Musikvereinigung mehrmals in Feuerwehruniform auftrat.

Die Festdame links ist Theresia Kern, 50 Jahre Wirtin unseres Stammlokals Neckartal. Die nächste Festdame links dahinter mit Schärpe ist die spätere Frau von Georg Stahl. Das Gasthaus zum Kranz war von 1924 an viele Jahre das Probelokal und der Veranstaltungssaal der Musikvereinigung.


1925 - 1929

Im Oktober 1925 wurde ein Bild mit bereits 16 Musikern aufgenommen. Ein Bild des Gründers wurde vom Photograf Menzel für 64 RM hineinretuschiert. Es ist damit das offizielle Gründerbild.

Hintere Reihe: Karl Kreter, Franz Schreckenberger
Mittlere Reihe: Willi Schmich, Valentin Siebig, Wilhelm Huber, Gustav Jacoby
Vordere Reihe: Josef Fleck, Karl Krauß, Ludwig Betzwieser, Alois Stahl, Karl Hauck, Georg Stahl

Die Musiker der Musikvereinigung waren in den Vorkriegsjahren sehr aktiv! Nach den alten Kassenbüchern und Zeitungsberichten gab es von 1925 bis 1937 ein Vielfaches an Auftritten (16-31) im Jahr, beispielsweise:

  • 12 Auftritte beim Kriegerverein Ladenburg 12
  • 9 Auftritte bei der Viktoria Neckarhausen
  • 6 Auftritte bei der Germania
  • 3 Auftritte bei der MGV
  • 4 Auftritte bei der Feuerwehr
  • 4 Auftritte beim Turnverein
  • 8 Auftritte beim Eisenbahnerverein Friedrichsfeld
  • 4 Auftritte beim Artelleriebund Ladenburg
  • 5 Auftritte beim Reichsbanner Neckarhausen
  • sowie 7 Auftritte bei der Sängereinheit Ladenburg

Salonorchester 1928

Salonorchester 1928


1928 Ausflug an den Bodensee
1928 Ausflug an den Bodensee

1928 - 1929

Zu den vielen Auftritten in Forst, St. Ilgen und den Nachbargemeinden hat der „Ladeberger Judd, so Georg Stahl“ die Musiker mit seinem Lastwagen, mit Plane und Stühlen zu den Veranstaltungen gefahren. Es war das in der Hauptstrasse ansässige Kaufhaus Gebr. Kaufmann, für Möbel und Manufaktur.

1928 wurde je ein Ausflug zum Kloster Maulbronn sowie ein mehrtägiger Ausflug zum Bodensee gemacht. In späteren Jahren wurde je eine Schifffahrt nach Eberbach und nach Rüdesheim unternommen.

1928 hatten sechs Musiker die Zeichen der Zeit erkannt und gründeten das Salonorchester. Bei zahlreichen Auftritten wurde Tanzmusik bis in den Morgen gespielt.

1929 feierte der Männergesangverein sein 70. Jubiläum mit einem Festumzug und Unterhaltungsmusik im Festzelt.

Im Jahr 1929 nahm man erstmals an einem Musikerwettstreit in Forst teil. Die noch junge Kapelle erreichte auf Anhieb den 1. Preis in ihrer Klasse, die Tagesbestleistung und den Dirigentenpreis. Dies war ein großer Tag für die Musikvereinigung Neckarhausen. Die stetige Aufwärtsentwicklung wurde jedoch durch die Kriegsereignisse jäh unterbrochen.

Glockenweihe Neckarhausen am 27. November 1932

Glockenweihe Neckarhausen am 27. November 1932

1930 - 1933

1932 feierte der Turnverein sein 40. Jubiläum mit einem Umzug von 1.000 Aktiven.

1933 nahm die Musikvereinigung beim Bundesmusikfest in Freiburg teil.

1933 bekam die kath. Kirche St. Michael neue Glocken. Diese wurden mit der Musikvereinigung und dem von Georg Stahl gegründeten DJK-Spielmannszug durch Neckarhausen begleitet.

1933 wurde in der ehemaligen Bahnhofgaststätte in Ladenburg das 10-jährige Jubiläum gefeiert und eine für diesen Anlass komponierte Operette begleitet.

1934 waren die deutschen Heimattage in Neckarhausen mit der MVN.

1948 - 1950

Erste Anzeichen eines Neuanfangs zeigten sich bereits im Jahre 1948. Die überlebenden Musiker und jüngere Interessenten machten es durch Fleiß und Begeisterung möglich, dass die Kapelle bereits 1949 wieder öffentlich auftreten konnte.

Die Jubiläumsjahre

1953 feierte man das 30-jährige Bestehen mit einem großen Musikfest; 1963, beim 40-jährigen Jubiläum, war man Ausrichter des Bezirksmusikfestes; 1973, zum 50jährigen Jubiläum, wurde uns diese Ehre erneut zuteil. 1998 feierte man das 75-jährige Bestehen mit einem Freundschaftsspielen. 2003 wurde das 80-jährige Bestehen in Form eines Jubiläumskonzerts mit Ehrungen durchgeführt.

Konzerte, Veranstaltungen, Partnerschaften

Weitere Höhepunkte waren in den folgenden Jahren die dargebotenen Konzerte, wobei der „Musikalische Abend“ im Frühjahr, der „Volksmusikabend“ im Herbst und das „Adventskonzert“ am 4. Advent zu festen Bestandteilen im kulturellen und musikalischen Leben der Gemeinde wurden. Auftritte bei Veranstaltungen jeder Art innerhalb und außerhalb der Gemeinde gaben Zeugnis vom Können der Musikerinnen und Musiker.

Besonderes Engagement zeigte man in Sachen „Partnerschaft“, wo die Musikvereinigung durch musikalische Mitgestaltung der Partnerschaftsfeiern seit 1967/68 im 10-Jahres-Rhythmus sowohl in Plouguerneau als auch in Neckarhausen immer uneigennützig mit an vorderster Stelle steht.

Bei vielen Musikfesten befreundeter Kapellen hat man mit Erfolg an Wertungs- oder Freundschaftsspielen teilgenommen. Als größter Erfolg der Nachkriegsgeschichte ist hier die Bewertung mit „sehr gut“ beim Wertungsspielen in der Mittelstufe 1996 in Wiesloch zu nennen. Aufgrund dieses hervorragenden Abschneidens erhielt die MVN erstmals eine Einladung des Blasmusikverbands zur Teilnahme beim Tag der Blasmusik im Rahmen der jährlich stattfindenden Kreiskulturtage und konnte dadurch weit über die Gemeinde hinaus auf sich aufmerksam machen.

Vom Freundeskreis zum Verein

Vorteilhaft wirkte sich die Änderung der Vereinsstruktur im Jahre 1957 aus. Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters, Herrn Eduard Schläfer, wurde der Freundes- und Gönnerkreis gegründet.

1980 erfolgte die Umwandlung zum Verein und die Eintragung in das Vereinsregister. Dadurch wurde eine solide finanzielle Basis für den weiteren instrumentalen Ausbau des Orchesters geschaffen. Die erfolgreichen Auftritte der Musikvereinigung in den letzten Jahren zeigen, dass die Unterstützung durch die Mitglieder Früchte trägt.

Proberäume in der Graf-von-Oberndorff-Schule

Ein weiterer besonderer Meilenstein in der Geschichte der Musikvereinigung war die Übergabe der Proberäume in der Graf-von-Oberndorff-Schule durch Bürgermeister Werner Herold. Dank der wohlwollenden Unterstützung der Gemeinde Edingen-Neckarhausen und durch viele Stunden Eigenarbeit der Musiker entstand ein Probelokal, in dem sich die Musikerinnen und Musiker auf ihre Aufgaben bestens vorbereiten können.

Die Jugendarbeit der MVN

Ebenso positiv wirkten sich die neuen Proberäume auf die Jugendarbeit aus, die wirkungsvoll verbessert werden konnte. Auf Initiative des damaligen 1. Vorsitzenden, Herrn Herbert Autz, wurde in den Jahren 1986/87 ein Jugendorchester gegründet. Unterstützt haben ihn dabei die Jugendausbilder, die fast alle aus den eigenen Reihen kamen.

Das Jugendorchester hat bei vielen öffentlichen Auftritten sein Können bewiesen und sich in- und außerhalb der Gemeinde einen Namen gemacht. Durch viele Austritte in den letzten Jahren, die nicht durch neue Schüler ersetzt werden konnten, wurde im Jahre 2002 beschlossen, das Jugendorchester als eigenständige Abteilung aufzulösen. Die vorhandenen Jugendlichen werden in das Hauptorchester integriert.

Die Zukunft der Musikvereinigung

Gerade in den letzten Jahren hat eine enorme Weiterentwicklung des Vereins eingesetzt. So war es ein Verdienst des ehemaligen Dirigenten Michael Leibfried, dass es im Verein eine eigene Bigband gibt, die in den Jahren 1994 bis 2003 bei jedem Jahreskonzert mitwirkte. Auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen wird durch deren Mitwirkung bei den Konzerten immer mehr nach außen sichtbar.

Die Vorstände, Dirigenten und aktiven Musiker haben durch jahrzehntelanges Engagement die Musikvereinigung Neckarhausen so geschaffen, wie sie sich heute darstellt. Wohlwollend unterstützt wurde sie dabei von den Bürgermeistern Eduard Schläfer, Werner Herold, Roland Marsch und jetzt Simon Michler, durch die Gemeinderäte und durch Freunde, Gönner und Mitglieder aus allen Teilen der Bevölkerung. Die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen und sonstigen Institutionen sowie der gute Zuspruch, den man immer wieder erfahren durfte, waren und sind positive Entwicklungsfaktoren. Allen gebührt der Dank der MVN, weil sie dazu beitragen, das Werk der Vereinsgründer nicht nur zu erhalten, sondern es auch auszubauen und lebendig zu gestalten. Vorstandschaft, Musikerinnen und Musiker sehen in alledem die Verpflichtung, in diesem Sinne weiterzuarbeiten.

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