Pressemeldungen 2026
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RNZ
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Autor
Nicolin Pilz
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nip
Löffel-Polka und eine Reise nach Lummerland
Die Musikvereinigung Neckarhausen begeisterte bei ihrem Jahreskonzert unter neuer Leitung mit einem bunt gemischten Programm.
Edingen-Neckarhausen.
Das müssen tatsächlich richtig intensive Proben gewesen sein, die die Musikvereinigung Neckarhausen (MVN) und ihr noch recht neuer Dirigent Dirk Rimmler in den vergangenen Wochen absolviert hatten. Und die Mühen haben sich auch hörbar gelohnt: "Das haben die richtig schön gemacht", sagte eine Zuhörerin in der Pause des Jahreskonzerts in der Eduard-Schläfer-Halle.
Man hätte dem Orchester noch ein paar Gäste mehr gewünscht – und das durchaus verdientermaßen. Unter dem Motto "Bunt gemischt" legten die Musiker und ihre Unterstützer Max Nees an der Percussion und Hans-Jörg Neeß an der Posaune sehr viel mitreißende Spielfreude an den Tag, die nicht selten in die Beine ging, wobei es zumeist beim Wippen blieb.
Rimmler hatte ein Programm zusammengestellt, das unterhaltsam und abwechslungsreich die Überschrift dick unterstrich. Verschiedene Jubiläen hatten sich angeboten: Etwa das 100-jährige von Ernst Mosch, dem Vater der "Original Egerländer Musikanten", der die Löffel-Polka von Antonín Borovicka zu neuen Bekanntheitsgraden führte. Ein Stück mit Humor und Augenzwinkern – und nicht zuletzt mit Dirk Rimmler als "Sololöffler", was er richtig gut beherrschte.
Wie bereits beim Weihnachtskonzert führte Beisitzerin Mara Dittrich durch den Abend, und auch sie bedachte Vorsitzende Helen Duttenhöfer am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung mit einem großen Dankeschön. Ihre Einführungen boten in aller Kürze viel an Wissenswertem und Witz. Schwungvoll startete das Orchester mit dem kraftvollen Song "Queen’s Park Melody", der in schöner Lässigkeit Pop und barocke Elemente mixte.
Es folgten Ausflüge in die konzertante Blasmusik ("Unter der Teufelsbrücke") zu Blues, Jazz und Swing ("A Hot Time In The Brasses Tonight") und mitten hinein in ein überraschendes Wetterstück namens "Der Wolkenmann" – ein rasches Lied mit Überraschungen der Schlagwerke.
Vor dem entspannten "Under the Boardwalk" mit seinen lateinamerikanischen Akzenten setzte sich "Waterkant" als zentrale Komposition des ersten Blocks in Szene. Ein stürmisches Stück, das einen in sechs Bildern immer wieder ordentlich durchschüttelte, aber auch ruhige Momente platzierte.
Sogar ein Shanty war inkludiert: Der "Hamborger Veermaster" blitzte zwischendurch auf, das tiefe Blech sandte Signale zum Ablegen, und man hatte durchaus vor Augen, welche Fahrt durch stille und wilde Wasser in "Waterkant" beschrieben wird. In der bewirteten Pause – die Vorsitzende bedankte sich später beim "tollen Küchenteam" – konnte man sich stärken und bereit machen für ein weiteres "Gedankenexperiment", wie von Mara Dittrich vorgeschlagen: Die "Frühschoppen-Polka" entführte einen in einen sommerlichen Biergarten, wozu dieser Gute-Laune-Titel perfekt passte.
Mit "Peter’s Spezialitäten" verneigte sich das Orchester musikalisch vor einem Künstler, der gern vom kleinen Glück erzählte: Peter Alexanders 100. Geburtstag hätte dieses Jahr gefeiert werden können. "Ein Hoch auf einen Entertainer, der unvergessen bleibt", sagte Dittrich. Und das Publikum belohnte dieses zentrale Stück des zweiten Programmteils mit "Bravo"-Rufen und langem Applaus.
Weiter ging’s mit "Patricia" ins Wirtschaftswunder und mit Neil Diamonds "Sweet Caroline" zum Anfang seiner Erfolgsgeschichte als Sänger und Songschreiber. Mit "Don’t Stop Believing" präsentierte die MVN eine "Hymne der Hoffnung", deren Botschaft nicht an Gültigkeit verliert, wie Dittrich betonte.
Mit dem großartigen Titel "Lummerland – eine Insel mit zwei Bergen" aus der "Augsburger Puppenkiste" verabschiedete sich das Orchester, musste aber auf dringende Bitte der Zuhörer den letzten Titel noch einmal als Zugabe geben.
Danach war wirklich Feierabend, das neue Repertoire war leer gespielt. "Ihr müsst jetzt leider gehen", sagte Dirk Rimmler fast schon entschuldigend von der Bühne herab. Und gab seinen Leuten zum Abschluss noch ein großes Lob mit auf den Weg: "Es war super, was Ihr abgeliefert habt."
